Modul: Abbildung von Lehrveranstaltungen auf Multiagentensysteme#
Inhalt
Die Abbildung von (projektbasierten) Lehrveranstaltungen auf Multiagentensysteme (MAS) dient der systematischen Betrachtungsweise dieser realweltlich höchst individuellen Systeme. Es werden die grundlegenden Konzepte von MAS beschrieben und auf Lehrveranstaltungen abgebildet. Außerdem werden allgemeingültige Rollen definiert, die in projektbasierten Lehrveranstaltungen identifiziert und von den beteiligten Personen eingenommen werden können. Zusätzlich wird beschrieben, wie diese Abbildung bei der Entwicklung/Anpassung einer LLUA als Handwerkszeug eingesetzt werden kann.
Exkurs: Multiagentensysteme#
Ein Multiagentensystem (MAS) in der Informatik beinhaltet mehrere Einheiten (Software-Agenten), die gemeinsam ein Ziel verfolgen bzw. Problem lösen. Diese Agenten können gleichartig oder spezialisiert sein.
Einem Agenten werden hier mindestens die folgenden Charakteristika zugesprochen:
- Autonomie, soziale Fähigkeiten, Selbstorganisation, Reaktivität, Pro-Aktivität, Mobilität und Lernen
Die hier betrachteten MAS folgen dem Vorbild des Mulan/Capa Rahmenwerks (siehe auch) und bedienen sich dessen Konzepte.
Die Plattformen in einem MAS stellen den Agenten die Möglichkeit zur Kommunikation untereinander und über Plattformgrenzen hinweg bereit. Plattformen sind in eine Umgebung bzw. Infrastruktur eingebettet und beinhalten Agenten. Die Agenten wiederum beinhalten eine Wissensbasis (Informationen, Ziele, Absichten, Dienste, Entscheidungskomponenten (internes Verhalten) und Protokolle (externes Verhalten)). Diese werden von den Rollen geprägt, aus denen die Agenten aggregiert sind. Die Agenten kommunizieren miteinander in der Form von Interaktionen. Eine Interaktion setzt sich aus dem externen Verhalten der Agenten zusammen, die an einer Interaktion beteiligt sind. Mögliche InteraktionspartnerInnen werden durch die von den Agenten angebotenen Dienste identifiziert.
Abbildung der Konzepte#
In der folgenden Grafik ist die Schachtelung der oben erläuterten Mulan/Capa-Konzepte sowie die Abbildung auf die projektbasierten Lehrveranstaltungen dargestellt.
Projektbasierte Lehrveranstaltungen sind in die Universität eingebettet und an ihnen nehmen Personen teil. Diese Personen weisen Wissen und internes (z. B. Entscheidungsfindung) sowie externes Verhalten auf. Im Kontext der Lehrveranstaltung kommunizieren die Personen miteinander und bieten untereinander Dienste (z. B. Hilfestellungen) an. Das Wissen und Verhalten der Personen werden durch ihre in der Lehrveranstaltung eingenommenen Rollen beeinflusst.
Nach dieser Beschreibung ist die Abbildung der Bestandteile eines MAS auf projektbasierte Lehrveranstaltungen zunächst trivial. In der Metapher der Lehrveranstaltung als MAS entspricht die Universität der Infrastruktur bzw. der Umgebung, in welche eine Lehrveranstaltung eingebettet ist. Die Lehrveranstaltung selbst stellt die direkte Umgebung für die Personen dar, genauso wie eine Plattform die direkte Umgebung für die Agenten darstellt. Somit sind die agierenden Personen in diesem Bild Agenten eines MAS, die miteinander kommunizieren können. Diese Personen nehmen im Kontext der Lehrveranstaltung (der Plattform) Rollen ein, welche wiederum ihr Wissen, ihre Ziele und Absichten (Wissensbasis), ihre angebotenen Dienste und ihr internes (Entscheidungskomponenten) sowie externes Verhalten (Protokolle) (vor-)prägen [An dieser Stelle soll angemerkt sein, dass natürliche Personen selbstverständlich aus mehr bestehen und immer auch Rollen einnehmen, die nicht im Kontext einer Lehrveranstaltung existieren. Diese Sicht ist eine starke Abstraktion.].
Agentenspezifikationen#
In projektbasierten Lehrveranstaltungen werden hier zunächst zwei Arten von Agenten spezifiziert und betrachtet: die Veranstaltenden und die (Veranstaltungs-)Teilnehmenden.
Veranstaltende und Teilnehmende#
Beide Agentenspezifikationen lassen sich aus den in der Grafik unten dargestellten Rollen aggregieren. Veranstaltende treten als DozentInnen, Lehrbeauftragte und (studentische) Hilfskräfte auf. Teilnehmende sind immer StudentInnen, die die Lehrveranstaltung offiziell belegen, um eine Note/Credits zu erhalten.
In diesem Modell werden zunächst keine sonstigen Angestellten der Universität betrachtet, obwohl diese durchaus wichtige Aufgaben im Rahmen einer Lehrveranstaltung wahrnehmen, wie z. B. Verwaltungsangestellte oder technisches Personal. Ohne diese wäre die Durchführung einer Lehrveranstaltung oft nicht möglich.
Rollen#
Wie in der Grafik dargestellt, können einige Rollen sowohl von Veranstaltenden als auch von Teilnehmenden eingenommen werden. Andere wiederum können lediglich von Veranstaltenden oder von Teilnehmenden eingenommen werden. Wie stark die Rollen im Rahmen einer Lehrveranstaltung ausgelebt werden, kann z. B. von dem persönlichen Interesse, dem Engagement, der Tagesform, der aktuellen Situation, der zur Verfügung stehenden Zeit oder den Verantwortlichkeiten abhängen.
Die Aufgaben und Tätigkeiten, die im Multiagentensystem projektbasierte Lehrveranstaltung aufkommen, werden den Agenten in Abhängigkeit ihrer Rollen und deren Verantwortlichkeiten zugeordnet.
So ist z. B. die konkrete Ausprägung des Agenten Veranstaltende abhängig davon, ob der Agent in der realen Welt ein Dozierender oder eine Hilfskraft ist.
Eine/Ein DozierendeR hat gewöhnlich z. B. eine höhere Verantwortung, mehr Erfahrung und umfänglicheres Wissen als eine Hilfskraft.
Die konkrete Tätigkeit der Rolle PrüferIn, nach Abschluss der Lehrveranstaltung die Gesamtnoten der Teilnehmenden einzutragen, obliegt gemeinhin den Dozierenden bzw. den Lehrbeauftragten und nicht den Hilfskräften.
Durch eine geeignete Abstraktion lässt sich diese dennoch auf die Tätigkeit einer Hilfskraft abbilden, Teilergebnisse zu bewerten und diese in eine Liste der Teilnehmenden einzutragen.
Beide Tätigkeiten werden zwar auf einer anderen Ebene durchgeführt, die aufkommenden Herausforderungen (z. B. gerechte Bewertung, Vergleichbarkeit, Richtigkeit und Sorgfalt) ähneln sich jedoch stark und sind somit beide im Rahmen der Rolle PrüferIn zu verstehen.
Ähnlich verhält es sich z. B. mit den Tätigkeiten der Rolle LehrerIn.
Veranstaltende haben eine andere Verantwortung und umfänglichere Aufgaben als Teilnehmende.
Dennoch verfolgen auch Teilnehmende Ziele der Rolle LehrerIn und nehmen Aufgaben dieser Rolle wahr, wenn sie z. B. ein Thema aufbereiten und dieses den anderen Teilnehmenden und Veranstaltenden vermitteln.
In diesem Beispiel agieren die Veranstaltenden dann in der Rolle LernerIn.
Die folgenden Rollen dienen als Orientierung, können aber nach eigenem Verständnis und Nutzen angepasst bzw. ergänzt werden. Im Kontext des Rahmenwerks und dieses Handbuchs sind die Rollen jedoch wie folgt zu verstehen.
LehrerIn#
Die Rolle LehrerIn will Agenten neues Wissen vermitteln und neue Fähigkeiten beibringen. Dazu präsentiert sie z. B. Informationen und steht als AnsprechpartnerIn für Hilfestellungen bei der Bearbeitung von Lehr- und Lern-Aufgaben zur Verfügung. Durch sie werden konkrete Lehrveranstaltungen umgesetzt.
Sie kann zur Formung beider Agentenspezifikationen (Veranstaltende und Teilnehmende) beitragen. Wie bereits im vorangegangenen Abschnitt beschrieben, verfolgen auch Teilnehmende Ziele der Rolle LehrerIn und nehmen Aufgaben dieser Rolle wahr, wenn sie den anderen Agenten in einer Lehrveranstaltung etwas beibringen.
LernerIn#
Die Aneignung von neuem Wissen und neuen Fähigkeiten sind Aufgaben der Rolle LernerIn.
Veranstaltende und Teilnehmende können diese Rolle beide einnehmen, denn auch die Dozierenden, Hilfskräfte und Lehrbeauftragte lernen in Lehrveranstaltungen. Sie werden z. B. ebenfalls mit Situationen konfrontiert, die zur Auflösung eine Weiterbildung erfordern oder sie bekommen von Teilnehmenden (die in diesem Fall im Kontext der Rolle LehrerIn handeln) -- oder von anderen Veranstaltenden -- etwas gezeigt oder beigebracht, das sie zuvor nicht wussten/konnten.
ProjektmanagerIn#
Die Rolle ProjektmanagerIn will einen reibungslosen Ablauf der Lehrveranstaltung herbeiführen und dazu Agenten und Tätigkeiten koordinieren.
In einer projektbasierten Lehrveranstaltung ist es üblich, dass diese Aufgabe nicht alleinig von den Veranstaltenden wahrgenommen wird, sondern, sich die Teilnehmenden selbst in die koordinatorischen Prozesse mit eingebunden sind. Somit kann auch diese Rolle zur Aggregation der beiden Agentenspezifikationen Veranstaltende und Teilnehmende genutzt werden.
AdministratorIn#
Das Aufsetzen und Warten der technischen Umgebung, sowohl für Server- als auch für Client-Anwendungen, ist die Aufgabe der Rolle AdministratorIn.
Zwar fallen die Server-Anwendungen fast ausschließlich in die Verantwortlichkeit von Veranstaltenden, jedoch müssen häufig auch die Teilnehmenden ihre lokale technische Umgebung einrichten und warten. Aus diesem Grund kann auch diese Rolle zur Formung beider Agentenspezifikationen beitragen.
AnalytikerIn#
Die Rolle AnalytikerIn unterstützt die anderen Rollen mit der Durchführung von Analysen im Rahmen der Lehrveranstaltung. Diese Analysen können z. B. durch Umfragen oder auf der Grundlage von aufgezeichneten Daten durchgeführt werden. Andere Rollen können dadurch einen Informationsgewinn erhalten, den sie zur Reflexion von abgeschlossenen oder zur Planung weiterer Handlungen nutzen können.
Von einem Informationsgewinn zur Unterstützung des Reflektierens oder Planens können sowohl Veranstaltende als auch Teilnehmende profitieren. Veranstaltende interessiert z. B. wie viel Zeit die Teilnehmenden für bestimmte Tätigkeiten benötigen. Teilnehmende möchten z. B. ihren Lernfortschritt mit anderen Teilnehmenden vergleichen oder wissen, welche Lernmaterialien diese nutzen.
Diese Rolle wird im Modul Vorgehensmodell des Clusters Datenanalyse weitere verfeinert.
KooperateurIn#
Die Eigenschaften von Agenten der Kommunikation, Kooperation und Kollaboration werden von der Rolle KooperateurIn verfeinert. Ihre Ziele sind es, mit anderen Agenten zu kooperieren und zu kollaborieren, um z. B. Lösungen für gemeinsame Aufgaben zu erarbeiten.
Sowohl für Veranstaltende als auch Teilnehmende ist es wichtig, Kontakte zu anderen Agenten herzustellen und z. B. mit diesen gemeinsam gleiche Artefakte zu bearbeiten. Auch diese Rolle kann also zur Aggregation beider Agentenspezifikationen beitragen.
Beteiligte#
Dient als Zwischenstufe und bündelt die Rollen, von denen sie erbt. Sie dient dazu, die Schnittmenge der Rollen, aus denen beide Agentenspezifikationen aggregiert werden können, zusammenzufassen.
AngestellteR#
Die Erfüllung von vertraglichen Anforderungen, Richtlinien und Regeln zu befolgen und umzusetzen, um persönliche, organisationale, soziale und gesellschaftliche Ziele zu erreichen, fällt in den Bereich der Rolle AngestellteR.
Agenten, die die Rolle AngestellteR innehaben, haben einen Arbeitsvertrag mit der Universität. Da Studierende keinen Arbeitsvertrag mit der Universität haben, kann die Agentenspezifikation Teilnehmende auch nicht die Rolle AngestellteR beinhalten.
PrüferIn#
Die Rolle PrüferIn will das Erreichen von Leistungsniveaus sicherstellen. Dazu formuliert sie Rahmenbedingungen und Anforderungen. Sie benotet die (Teil-)Ergebnisse der Agenten mit möglichst objektiven Maßstäben und legt die Endnoten fest. Dadurch entscheidet sie über Bestehen und Nicht-Bestehen der Agenten der Lehrveranstaltung.
Die Aufgaben der Rolle PrüferIn werden nur von Dozierenden, Hilfskräften und Lehrbeauftragten durchgeführt. Somit trägt diese Rolle ausschließlich zur Formung der Agentenspezifikation Veranstaltende bei. Zwar existieren Lernkonzepte, die vorsehen, dass Studierende die Arbeiten ihrer Mitstudierenden bewerten oder für diese sogar Noten vorschlagen, jedoch stellt dies einen Spezialfall dar, der hier nicht Einzug in das Modell findet.
VeranstaltungsentwicklerIn#
Die Festlegung der Ausrichtung einer Lehrveranstaltung, die Zusammenstellung der Lerninhalte und -materialien sowie deren Strukturierung sind Aufgaben der VeranstaltungsentwicklerIn. Sie erstellt neue oder überarbeitet und verbessert vorhandene Lehrveranstaltungen.
Prüfling#
Die Rolle Prüfling hat das Ziel die Lehrveranstaltung zu bestehen und -- in Abhängigkeit des investierten Arbeitsaufwands -- eine zufriedenstellende Note zu erhalten.
Die Rolle Prüfling kann ausschließlich von Studierenden eingenommen und somit nur zur Formung der Agentenspezifikation Teilnehmende genutzt werden.
Im folgenden Abschnitt wird erläutert, wie die Rollen um Ziele, Lösungswege, Anforderungen und Dienste erweitert werden.
Nutzung zur Entwicklung einer LLUA#
Grob können die folgenden Schritte durchgeführt werden:
- Modellierung der menschlichen Umgebung
- Modellierung der technischen Umgebung
- Integration der Modelle
- Weiterentwicklung beider Umgebungen
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Link zur veröffentlichten Dissertation einfügen.
Diese sind im Folgenden beschrieben. Für eine ausführliche Beschreibung sei an dieser Stelle auf die Dissertation von Dennis Schmitz verwiesen. Stichworte:
- Abbildung von Lehrveranstaltungen auf Multiagentensysteme
- Prozess der Abbildung
- Modellierung der technischen Umgebung: Bestandsaufnahme
Modellierung der menschlichen Umgebung#
Die individuellen Herausforderungen, mit denen sich die Personen in einer projektbasierten Lehrveranstaltung konfrontiert sehen, lassen sich jetzt den einzelnen Rollen zuordnen. Diese werden als Ziele formuliert, die die Rollen erreichen wollen. Hinzu kommen Lösungsansätze, welche die Rollen verfolgen, um die Ziele zu erreichen.
Für einige der Lösungsansätze sind die Rollen auf die Kooperation anderer Rollen angewiesen. Dies kann mittels einer Dienstangebot/-benutzt-Beziehung modelliert werden, wie es in der folgenden Grafik beispielhaft für den Lösungsansatz der Rolle LehrerIn Präsentieren von Informationen und Lösungswegen zur Verfolgung des Ziels Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten dargestellt ist.
Die Dienstbenutzt-Beziehungen stellen jeweils die Anforderungen an die anderen Rollen dar. Die damit verbundenen Tätigkeiten bedürfen häufig einer technischen Unterstützung. Aus dieser lassen sich die Anforderungen an die technische Umgebung ableiten, wie es beispielhaft in der folgenden Grafik für die Gruppe an Anforderungen Projekte planen und durchführen dargestellt ist.
Die Veranstaltenden und Teilnehmenden wollen die Lehrveranstaltungen in Form von Projekten organisieren. Als zu organisierende Entitäten sind Projekte, Personen, Aufgaben/Tätigkeiten, Arbeitszeit, Lehr- und Lernmaterialien, Ergebnisse und Dokumentationen zu berücksichtigen.
Adressierte Ziele und Lösungsansätze/Herausforderungen:
- ProjektmanagerIn: Koordination von Tätigkeiten und Personen
- Verschriftlichen von Tätigkeiten; Überblicken und Koordinieren von Tätigkeiten; Zuordnung von Personen zu Tätigkeiten; Einschätzen und überblicken des Zeitaufwands
- LehrerIn: Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten
- Bereitstellen von Lernmaterialien
- PrüferIn: Personen benoten
- Objektivieren der Notenvergabe; Aktuellen Leistungsstand der Personen überblicken
- LernerIn: Erwerben von neuem Wissen und neuen Fähigkeiten
- Verwenden von Lernmaterialien
- Prüfling: Bestehen und erhalten einer zufriedenstellenden Bewertung
- Erbringen geforderter Leistungen; Erfahren des aktuellen Leistungsstands
Später einfügen
Link zur veröffentlichten Dissertation einfügen.
Hinweis
Für die detaillierte Erhebung der Herausforderungen und Definition der Anforderungen, wird an dieser Stelle auf die Dissertation von Dennis Schmitz verwiesen.
Modellierung der technischen Umgebung: Bestandsaufnahme#
Als zu untersuchende und zu erweiternde Umgebung dient hier die Umgebung der Paose-Lehr- und Lernveranstaltungen der Universität Hamburg. Dieses Beispiel ist auf den Bereich Kommunikation & Kollaboration eingeschränkt, um den Umfang zu begrenzen. Überschneidungen mit den anderen Bereichen einer LLUA werden hier nicht berücksichtigt.
Agenten und Rollen
Im Bereich Kommunikation & Kollaboration lassen sich grob vier Akteure benennen, Redmine (bietet u. a. Projektmanagementfähigkeiten bzw. persistente asynchrone, nicht-direkte Kommunikation und Dateiaustausch an), E-Mail (bietet textbasierte, persistente, asynchrone, direkte Kommunikation und Dateiaustausch an), Network File Storage (NFS; bietet den zentralisierten Austausch von Dateien an) und Git (bietet die Versionierung und den Austausch von Dateien an). Daraus ließen sich die folgenden Arten von Agenten (Agentenspezifikationen) ableiten: KommunikatorIn und DateimanagerIn. Die oben grob benannten Aufgabenbereiche und Tätigkeiten, ließen sich in die folgenden Rollen aufteilen und aus diesen entsprechend die genannten Agentenspezifikationen aggregieren:
- KommunikatorIn
- AufgabenmanagerIn
- TextuellekommunikatorIn
- DateimanagerIn
- DateiverteilerIn
- DateiversioniererIn
Ziele, Strategien und Dienste
Die AufgabenmanagerIn verfolgt in ihrem Themenbereich das Ziel "Asynchrone, nicht-direkte Kommunikation ermöglichen".
Dadurch will sie den Overhead verringern, der durch direkte Kommunikation über Aufgaben und Tätigkeiten entsteht.
Dazu nutzt sie die zwei Strategien "Zentralisieren der Aufgabenverwaltung" und "Verwaltung von Verantwortlichkeiten" (Redmine).
Für erstere bietet sie die Dienste "Erstellen/Lesen/Verändern/Löschen von Aufgaben" und "Status von Aufgaben setzen" an.
Für ihre zweite Strategie bietet sie die Dienste "Zuweisen von Aufgaben" und "Einsehen von Zuweisungen" an.
Obwohl diese Strategien und Dienste auch in dem Bereich Planung & Durchführung einer LLUA verortet werden können, werden sie hier (ebenfalls) explizit aufgeführt, da sie zusätzlich Teil der Kommunikation sind.
Die TextuellekommunikatorIn verfolgt das Ziel "Asynchrone, direkte Kommunikation ermöglichen". Dazu verwendet sie die Strategie "Verschicken von Nachrichten" (E-Mails). Zu diesem Zweck bietet sie die Dienste "Versenden von Nachrichten", "Erhalten von Nachrichten" und "Speichern von Nachrichten" an.
Das Ziel "Dateiaustausch ermöglichen" wird von der Rolle DateiverteilerIn verfolgt. Sie greift dafür auf die beiden Strategien "Verschicken von Dateien" (E-Mails) und "Zentralisiertes Bereitstellen von Dateien" (Redmine, NFS, Git) zurück. Für die erste Strategie bietet sie die Dienste "Versenden von Dateien", "Erhalten von Dateien" und "Speichern von Dateien" an. Für die Zweite "Ablegen von Dateien", "Zugreifen auf Dateien", "Hochladen von Dateien" und "Runterladen von Dateien".
Die Rolle DatenversioniererIn möchte das Ziel "Dateiversionierung ermöglichen" erreichen. Sie verfolgt dafür die Strategie "Persistieren und bereithalten mehrerer Versionen einer Datei" (Git) und bietet für diese die Dienste "Versioniertes Persistieren von Dateien", "Navigation durch die Versionen", "Wiederherstellung alter Versionen" und "Vergleichen von Versionen" an.
Grafisch ist dieser Ausschnitt des Modells der technischen Umgebung in der folgenden Abbildung dargestellt.
Integration der Modelle#
Das Modell der technischen Umgebung wurde oben textuell und grafisch entwickelt. Das Modell des Ausschnitts der menschlichen Umgebung ist in der folgenden Abbildung grafisch dargestellt.
Diese beiden Modelle werden miteinander integriert, indem die komplementären Dienste identifiziert werden. Das heißt, es werden zueinander passende Dienste auf der Seite des menschlichen und des technischen Modells identifiziert und miteinander in Beziehung gesetzt. Dies ist in der folgenden Abbildung visuell dargestellt. Die Kardinalität der Zuordnung ist dabei abhängig von dem Grad der Granularität, welcher für die jeweiligen Modelle gewählt wurde. Weichen diese zu stark voneinander ab, sollten Dienste verfeinert/-gröbert werden. Die Modelle sind Hilfsmittel, die individuelle Lösungsfindungen unterstützen sollen und so sollten diese in dem Maße angepasst werden, dass sie hilfreich eingesetzt werden können.
Weiterentwicklung beider Umgebungen#
Den weiteren Schritten im Prozess folgend, werden die Dienste identifiziert, die nicht erbracht/nicht benutzt werden -- also zu denen keine komplementären Dienste gefunden wurden. Anhand der grafisch modellierten Beziehungen kann dies visuell beurteilt werden. Das grafische Modell sagt jedoch nichts darüber aus, ob die bereits erbrachten Dienste den heutigen/individuellen Anforderungen entsprechen und somit ggf. einer Anpassung bedürfen.
Die beispielhafte Weiterentwicklung beider Umgebungen wird im Folgenden nicht vollständig präsentiert, sondern anhand von ausgewählten Diensten erläutert. Zum einen wird die Erbringung des Dienstes "Kollaboratives Schreiben von Texten" und zum anderen die Umgestaltung der Art und Weise der Erbringung des Dienstes "Austauschen von Daten" demonstriert. Aufgrund dieser Teil-Betrachtung werden hier der grobe und feine technische Entwurf der exemplarischen LLUA nicht grafisch erarbeitet.
Erbringung: Kollaboratives Schreiben von Texten
Zu diesem Zweck wird die neue Rolle DokumentationsmanagerIn in das technische Modell eingefügt. Diese erbringt die drei Dienste "Kollaboratives Erstellen von Texten", "Persistieren kollaborativer Texte" und "Bereitstellen kollaborativer Texte", welche dann entsprechend als komplementäre Dienste in dem integrierten Modell markiert werden.
Aus mehreren zusätzlichen Gründen, die hier nicht weiter ausgeführt werden, wurde die technische Umgebung um Confluence von Atlassian erweitert. Dieses erbringt die oben drei genannten Dienste. Der menschlichen Umgebung wurde anschließend mitgeteilt, dass das "Kollaboratives Schreiben von Texten" (ab jetzt) von Confluence erbracht wird.
Umgestaltung: Austauschen von Dateien
Die komplementären Dienste zum Dienst "Austausch von Dateien" werden zum Zeitpunkt der Bestandsaufnahme von einem gemeinsam genutzten NFS, E-Mail-Dienst, Redmine und Git erbracht. In Zukunft sollen das NFS und der E-Mail-Dienst nicht mehr dafür genutzt werden, außerdem wird Redmine vollständig von Jira und Confluence abgelöst. Der Austausch und die Kollaboration via Git sollen weiterhin bestehen bleiben. Zusätzlich wird die Umgebung (hauptsächlich aus Gründen der verbesserten Kommunikation) um das Team-Kollaborationsprogramm Mattermost ergänzt, welches vorrangig als Chat-Programm, aber auch zum Austausch von Dateien genutzt werden soll.
Das NFS und der E-Mail-Dienst sollen u. a. aus den folgenden Gründen nicht mehr zum Austausch von Dateien verwendet werden:
- NFS
- Das NFS ist nur von Computern im Netzwerk des Informatikums der Universität Hamburg zugreifbar.
- Die Rechtevergabe bereitet häufig -- besonders zu Beginn des Semesters oder wenn später neue Personen hinzugekommen sind -- Probleme und erfordert die Kommunikation und die Einbindung von Personal der technischen Verwaltung.
- Die Dateien können nur umständlich mit einem zusätzlichen Beschreibungstext abgelegt werden (indem z. B. eine extra Textdatei bereitgestellt wird).
- In einigen Fällen müssen die Dateien per Kommandozeile abgelegt bzw. auf diese zugegriffen werden.
- Es wird keine Versionierung der Dateien vorgenommen.
- Der Dateiaustausch kann nicht aufgezeichnet und somit nicht analysiert werden.
- E-Mail-Dienst
- Das Verschicken von Dateien via E-Mail ist nicht nachhaltig (die Datei wird vervielfältigt über das Internet verschickt und in der Anzahl der empfangenden Personen entsprechend vielen Instanzen abgelegt).
- Neue Versionen der Dateien müssen erneut verschickt und können nicht ausgetauscht werden.
- Wurde der Dateiversand versehentlich falsch adressiert, so ist dies nicht rückgängig zu machen (das kann z. B. bei aufgezeichneten Daten zur Verletzung des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte führen).
- Ob die Dateien verschlüsselt versendet werden, liegt im Ermessen der versendenden Person.
- Die Größe der Dateien wird von dem gewählten E-Mail-Dienst begrenzt, auf den möglicherweise kein Einfluss ausgeübt werden kann.
- Der Dateiaustausch kann nicht aufgezeichnet und somit nicht analysiert werden.
Beide Dienste können von den Veranstaltenden einer Lehrveranstaltung nicht abgeschaltet, die technische Umgebung also nicht angepasst werden. Somit können die Veranstaltenden die Teilnehmenden lediglich darum bitten, diese Dienste nicht zum Dateiaustausch zu verwenden. Ebenso sollte das neu eingeführte Chat-Programm Mattermost datensparend eingesetzt werden (wenn eine Datei an mehrere Personen geschickt werden soll, dann sollte dies nicht einzeln, sondern in einer (spontanen) Gruppe/einem Channel erfolgen). Dies sind neue Verhaltenskonventionen, die in dem Zuge in der menschlichen Umgebung eingeführt wurden.